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Feuilleton |
 | | Coral bleaching - Ein Bericht von Axel Horn | | Alle Taucher und Schnorchler, die die Malediven im April/Mai 1998 besuchten, bemerkten eine Zunahme der Wassertemperaturen. An einigen Stellen betrugen die Temperaturen an der Oberfläche bis zu 34° Celsius und selbst in 30 Metern Tiefe noch bis zu 32°Celsius. Dazu kamen Farbveränderungen der Stein-, Feuer- Weichkorallen und auch der Seeanemonen. Diejenigen, die sich nicht auskannten, waren begeistert von den neuen Farben der Riffe. Bei den Tauchern und Schnorchlern, die sich auskannten, klingelten die Alarmglocken. Was war passiert?
Bedingt durch eine ausgedehnte Phase hoher Wassertemperaturen während der ersten 6 Monate des Jahres 1998 im gesamten Indischen Ozean, trat der Effekt des coral bleachings auf. Eigentlich nichts außergewöhnliches, tritt diese Phase erhöhter Temperaturen doch etwa alle 10-15 Jahre ein. So zum Beispiel auch 1987/88. Zu diesem Zeitpunkt leitete ich die Basis auf Embudu im Süd Male Atoll.
Ich informierte die maledivische Regierung über das Ausmaß der festgestellten Schäden und die reagierte sofort und berief eine Konferenz nach Male mit Wissenschaftlern aus England ein. Es bestand aber ein erheblicher Unterschied zwischen diesen beiden Ereignissen. Während 1987/88 “nur“ die Korallenriffe nördlich des Äquators betroffen waren, also auch hier die Malediven, betraf es 1998 die nördliche und südliche Hemisphäre. Also die Seychellen, Kenya, Reunion, Mauritius, Somalia, Madagaskar, Malediven, Indonesien, Sri Lanka, Golf von Thailand, Andamanen, Malaysia, Oman, Indien und Kambodga. Dieses bisher noch nicht in dem Ausmaß dagewesene bleaching im gesamten Indischen Ocean, steht im Zusammenhang mit dem El Nino Ereignis zum Ende des Jahres 97 und Anfang des Jahres 98. Zu diesem Zeitpunkt wurde coral bleaching in Mexico/Pazifik, Panama/Pazifik, Galapagos, Großes Barriere Riff Australien, Papua Neu Guinea und Amerik. Samoa festgestellt. Während auf den Malediven die Wasseroberflächen-Temperaturen im Juni 98 langsam wieder auf “normal“ zurückgingen, stiegen sie dagegen auf den Philippinen und in den Florida Keys stark an, mit dem Effekt des coral bleaching. Korallenriffe sind die Regenwälder der Meere mit einer unglaublicher Artenvielfalt. Sie sind wichtig für das Eco-System. | | |
| |  | | | | Die Korallen sind sehr empfindliche Lebewesen und reagieren auf geringfügige Störungen, wie zum Beispiel Temperatur- erhöhungen, äußerst heftig. Sie geraten in eine Streßsituation und sondern damit ihre Zooxanthellen ab. Manche Arten reagieren sehr schnell und heftig, bei anderen Arten dauert es wesentlich länger. Gerade im oberen Bereich, bis etwa 10-15 Meter unter- halb der Wasseroberfläche, dort sind ja auch die Wassertemperaturen am höchsten, macht sich dieser Effekt am stärksten bemerkbar. Natürlich spielen andere Faktoren, wie zum Beispiel Strömungsintensität usw. auch eine Rolle. Ist die Temperaturerhöhung über einen längeren Zeitraum konstant, können sich die Korallen nicht mehr erholen, sie sterben ab, bilden aber gleichzeitig die Grundlage für neues Wachstum! Auf den abgestorbenen Korallen setzen sich als erstes Algen fest. Wir konnten aber auch eine interessante Feststellung machen und zwar die Population des Fischreichtums. Gerade die Arten, die überwiegend oder ausschließlich von Algen leben, wie zum Beispiel die Rotzahndrücker, nahmen überdurchschnittlich zu. Das wiederum zieht die Räuber an, also auch da eine Zunahme. Wir können daraus folgern, daß die Natur uns an anderer Stelle das ersetzt, was sie uns vorher weggenommen hat, allerdings nur wenn der Mensch nicht eingreift und andere Umwelteinflüsse hinzukommen.
Wie sieht es inzwischen aus auf den Malediven? Viele Korallen konnten sich erholen oder es haben sich in Ansätzen neue Korallen gebildet, vor allen Dingen die schnell wachsenden Arten. Und das sage ich nicht, weil ich hier arbeite. Es ist tatsächlich so! Eine vollständige Regenerierung wird sicherlich noch einige Zeit dauern. Warum also in diesem Jahr die teilweise dramatischen Presseberichte über “tote Riffe“ auf den Malediven und nicht schon 87/88? Die Erklärung ist relativ einfach. In den Jahren 87/88 hatte der Tauchtourismus noch lange nicht den Stellenwert, den er heute hat. Damit meine ich die erhebliche Zunahme der Taucher in den letzten Jahren gerade hier auf den Malediven. Die maledivische Regierung tut einiges um die Unterwasserflora und Fauna zu schützen. Sie hat eigene Meeresbiologen angestellt die in Zusammenarbeit mit interessierten Tauchbasen Veränderungen protokollieren und besprechen und Schutzprogramme entwerfen.. Sie hat schon vor Jahren ein Fangverbot für Schildkröten erlassen. Im September 1998 wurde ein Fangverbot für Haifische erlassen, das die Atolle betrifft, in denen Tourismus ansässig ist. Ein auf der Welt wohl bisher einmaliges Ereignis. Nur gegen sich ständig wiederholende Naturphänomene wie erhöhte Wassertemperaturen durch El Nino, kann keine Regierung etwas unternehmen. | | Axel Horn - 2001 |
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